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2020 exhibition Michael Markwick painting

Solo Exhibition: MICHAEL MARKWICK – Sunshine for a Long Midnight

Michael Markwick – Sunshine for a Long Midnight

11. Juni – 29. August 2020

Soft-Opening: Mittwoch, 10. Juni, 12 – 18 Uhr

GALERIE BORN, Berlin
Potsdamer Str. 58, 10785 Berlin

Di – Sa 11 – 18 Uhr

T +49 (0) 30 / 749 20 270,

Gallery

NOTE: Summer Break / Galerieferien: Mon., 13. Juli – Samstag, 8. August 2020

The paintings in this exhibition were made during the fall of 2019 through the spring of 2020. When I began working on these paintings, I was thinking of our relationship to nature, and our age of fragility. Nevertheless, this exhibition is taking place now, and the Covid19 pandemic has filled our minds. The work in this exhibition resonates with this moment of crisis, although by accident. It fits for good reason, because the pandemic has laid bare that we are intimately tied to nature – its beauty but also its threats. The overall theme in this selection of works is one of open questions about what we might call our “spiritual” relationship to nature and each other.

This new body of work was painted on silk, as opposed to the linen I favored earlier. The idea of exploring silk came to me years ago after a visit to Hong Kong and Taiwan, an area of the world where silk painting stretches back over 2000 years. Interestingly, the material itself is at the meeting point of nature and humanity. The fabric was originally spun from the cocoons of the mulberry silkworm larvae, an example of an unbalanced partnership between humans and nature, albeit with beautiful results. Indeed, silk’s alluring semi-transparency and ephemerality are what drew me to experiment with it. Painting with acrylic on silk is tremendously demanding, as not much can be hidden on such a delicate surface. The layers of paint in these works have become the thinnest of glazes. 

The works in this show explore the kind of light cast by a summer sunset, a light that stretches far into the evening. Light still glows after the sun has gone down behind the horizon line. I have had a long fascination with the light in the prints by Japanese ukiyo-e artist Utagawa Hiroshige, and in the paintings by French and Italian painters such Nicolas de Staël, Giotto, and Piero della Francesca. One could argue that light is an active element in these works, just as much as the subject matter.

I have never really considered myself an abstract painter. All my works have been related to very concrete forms and ideas that were based on narratives, real or imagined situations, environments, and symbols. Here, I am working to simplify my language. This group of works includes narratives of figures in transformation or change.

Michael Markwick
Tree Hugger (2020)
160 x 120 cm (63 x 47 1/4 in.)
Acryl auf Seide
Acrylic on silk
Tree Hugger (2020)
160 x 120 cm (63 x 47 1/4 in.)
Acryl auf Seide
Acrylic on silk

“Ghost Flower” offers a symbol of fragility. Almost childlike, it is actually a skeleton of a flower. This motif is repeated in “Girl Planting.” A girl in her garden attempts to plant flowers that almost disappear before they really begin. Hope and the effort for new growth are perpetual; this farmer continues to plant new seeds. The large work “Tree Hugger” shows an abstracted skeletal figure merging with the top of a pine tree that is radiating light. While the expression “tree hugger” is often used negatively, I wanted to reclaim this term to reflect its original, literal sense – someone attempting to save a tree, a positive action. In “The Patient,” one figure with a mask-like face leans over another. It is threatening, but I also wanted to convey a feeling of tenderness. Below the chins of the figures, you can see an arm with a hand on both ends, the two figures linked intimately.

For me, the process of painting is participation in the present. And in our present moment of “fear and trembling,” we are renegotiating our fragile relationship not only to nature but also to each other. 

Michael Markwick

Deutsch
 
Die Gemälde dieser Ausstellung sind zwischen Herbst 2019 und Frühjahr 2020 entstanden. Als ich mit der Arbeit an diesen Bildern begann, dachte ich an die Beziehung zwischen Mensch und Natur, und an die Zerbrechlichkeit unseres Zeitalters. Und jetzt, da die Corona-Pandemie unseren Geist besetzt, findet also diese Ausstellung statt. In den Werken, die zu sehen sind, schwingt – wenn auch nur zufällig – das Moment der Krise mit. Das ist insofern passend, als die Pandemie zeigt, wie eng wir mit der Natur verbunden sind, sowohl mit ihrer Schönheit als auch mit ihren Bedrohungen. Das übergeordnete Thema dieser Werkauswahl betrifft die offenen Fragen bezüglich unserer spirituellen Beziehung zur Natur und zueinander.

Michael Markwick, Ghost Flower (2020) 90 x 75 cm (35 7/16 x 29 1/32 in.) Acrylic on silk
Ghost Flower (2020)
90 x 75 cm (35 7/16 x 29 1/32 in.)
Acrylic on silk


 
Während ich in meinen früheren Werken bevorzugt mit Leinen arbeitete, sind diese neueren Bilder auf Seide gemalt. Die Idee, mit Seide zu experimentieren, kam mir vor Jahren, als ich von einem Besuch in Hongkong und Taiwan zurückkehrte – einer Weltregion, in der die Seidenmalerei seit über 2.000 Jahren betrieben wird. Interessanterweise befindet sich dieses Material genau an der Schnittfläche von Natur und Kultur: Ursprünglich wurde der Stoff aus den Kokons der Maulbeerseidenraupen gewonnen und steht beispielhaft für die unausgewogene Partnerschaft von Mensch und Natur – wenngleich mit einem wunderschönen Ergebnis. Und so war es vor allem ihre verführerische Lichtdurchlässigkeit und Flüchtigkeit, die mich zum Experimentieren mit Seide bewogen. Das Malen mit Acryl auf Seide ist ungeheuer anspruchsvoll, da sich auf einer solch empfindlichen Oberfläche kaum etwas verbergen lässt. Die Farbschichten dieser Arbeiten setzen sich aus zartesten Lasuren zusammen.
 
In den hier gezeigten Bildern erkunde ich das Licht eines sommerlichen Sonnenuntergangs – ein Licht, das tief in den Abend reicht und auch dann noch leuchtet, wenn die Sonne längst hinter dem Horizont verschwunden ist. Schon seit langem fasziniert mich das Licht in den Grafiken des japanischen Ukiyo-e-Künstlers Utagawa Hiroshige und in den Gemälden von französischen und italienischen Malern wie Nicolas de Staël, Giotto oder Piero della Francesca. Man könnte meinen, dass Licht in diesen Werken ein aktives Element darstellt, dass es das eigentliche Thema ist.

Ich habe mich nie wirklich als abstrakten Maler verstanden. Alle meine Werke haben mit sehr konkreten Formen und Vorstellungen zu tun, die wiederum auf Geschichten, realen oder imaginären Situationen, Umgebungen und Symbolen beruhten. In den Seidenbildern arbeite ich an der Vereinfachung meiner Bildsprache. In dieser Werkgruppe finden sich Geschichten von Figuren, die sich verändern und verwandeln.
 
„Ghost Flower“ beispielsweise ist ein Symbol der Zerbrechlichkeit. Die fast kindliche Erscheinung stellt das Skelett einer Blume dar. Dieses Motiv wiederholt sich in „Girl Planting“: Ein Mädchen in seinem Garten versucht Blumen zu pflanzen, die schon vergehen, bevor sie richtig beginnen. Hoffnung und das Bemühen um neues Wachstum sind allgegenwärtig – diese Gärtnerin hört nicht auf, neue Samen zu säen. Das großformatige Werk „Tree Hugger“ zeigt eine abstrakte skelettartige Figur, die mit der Baumspitze einer stark leuchtenden Kiefer verschmilzt. Der Ausdruck „Tree Hugger“ wird oft in einem negativen Sinne verwendet. Ich wollte dem Begriff seinen ursprünglichen Wortsinn wiedergeben: jemand, der einen Baum retten möchte, eine positive Handlung also. In „The Patient“ beugt sich eine Figur mit einem maskenartigen Gesicht über eine andere. Das wirkt bedrohlich, aber zugleich wollte ich auch ein Gefühl von Zärtlichkeit vermitteln. Unter dem Kinn der Figuren sieht man einen Arm mit einer Hand an beiden Enden. Die beiden Figuren sind eng miteinander verbunden.
 
Der Akt des Malens bedeutet für mich, an der Gegenwart teilzuhaben. Und in unserem gegenwärtigen Zustand aus „Furcht und Zittern“ handeln wir unsere fragilen Beziehungen neu aus – nicht nur mit der Natur, sondern auch untereinander.
 
Michael Markwick, Mai 2020

Übersetzung: Ingrun Wenge